10 Juni 2015 0

Donezk-Bewohner: das Tagebuch. Teil 3.

Von Michail Kuchtin 

Die Lage im Donbass hat sich weiter zugespitzt. In der Nähe von Marjinka hat es erbitterte Kämpfe gegeben. Die ukrainische Armee hat Gorlowka, Telmanowo und einige Bezirke von Donezk (einschließlich der Gegend um den Bahnhof) vielfach unter Beschuss genommen. In Telmanowo ist ein Kind ums Leben gekommen.

Foto: © Flickr/ВО «Свобода»

Politiker sagen, man müsse zum Minsker Prozess zurückkehren, aber die Mehrheit der Bevölkerung von Donezk glaubt nicht, dass man auf diesem Weg etwas erzielen kann. Die Kiewer Regierung benutzt den Konflikt, um ihre unannehmbare Innenpolitik zu erklären und zu rechtfertigen. Der Krieg kostet die Ukraine viel Geld. Auch die Kampfhandlungen relativ geringer Intensität, die wir in den letzten Monaten beobachtet haben, haben die ukrainische Wirtschaft schwer belastet. Ich meine nicht, dass die Ukraine so viel Geld und Mühe auf Kriegsvorbereitungen verwendet, um im letzten Augenblick einzulenken. Außerdem verstehen die USA, dass eine friedliche, diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts eine neue Annäherung Russlands und Westeuropas ermöglichen würde, was das Weiße Haus aus verständlichen Gründen für unerwünscht hält. Also ist eine weitere Eskalation der Krise höchst wahrscheinlich.

Die humanitäre Lage in Donezk bleibt schwierig. In einigen Stadtteilen gibt es seit zwei Tagen kein Wasser. Und draußen ist es sehr heiß, schon seit einer Woche hat es in Donezk nicht geregnet. Unser Mobilfunknetz funktioniert ziemlich schlecht. Außerdem hat die Ukraine die Wirtschaftsblockade der Donezker Volksrepublik wieder verschärft. Ich hoffe, dass mein Artikel helfen wird, die Welt auf unsere Probleme aufmerksam zu machen. 


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