18 November 2014 0

Alte CIA-Tricks: Die Kunst der Missinterpretation

Andreas Kahl | Europa Objektiv

In meinem letzten Artikel habe ich davon geschrieben, wie die CIA seit mehreren Jahrzehnten zugunsten der US-Außenpolitik führende in- und ausländische Medien manipuliert. Dabei werden Tatsachen nicht nur verdreht, sondern auch geschaffen. Dieser Mechanismus ist so gewaltig, dass man glatt denken könnte, dass es nichts weiter ist, als eine frische Version der berühmten Verschwörungstheorie, an die kaum ein normaler Mensch glauben würde. Schön wäre es natürlich...

Foto: © Flickr/Tasha Lutek

Begonnen hat alles im Jahre 1948 mit Frank Gardiner Wisner, einem damaligen Abteilungschef bei der CIA, dem die Aufgabe erteilt wurde ein System zu gründen, das im Rahmen der US-Eindämmungspolitik Propaganda führen sollte. Wisner baute somit ein Programm auf, das den Namen Mockingbird trug. Durch dieses Programm sollten wichtigste amerikanische Medien beeinflusst werden. Um dies zu erreichen, wurden nicht weniger wichtige Persönlichkeiten in diesen Medien rekrutiert. Zu dieser Liste gehörten damals sehr bekannte Namen, wie z.B. politischer Kolumnist Joseph Alsop.

Später, im Jahre 1953, übernahm der damalige CIA-Chef Dulles persönlich die Operation Mockingbird. Zu diesem Moment hatte der US-Geheimdienst schon Einfluss auf mehr als 20 verschiedene Medien. Unter ihnen: die Washington Post, die New York Times, Miami News und viele andere. Während der laufenden Jahre hat sich das Propagandasystem des Geheimdienstes nur weiterentwickelt. Im Amt des CIA-Chefs wechselten sich die Personen, doch das System blieb.

Interessant waren die Methoden, die bei der Operation Mockingbird genutzt wurden, um die schmutzigen Ziele der CIA zu erreichen. Um berühmte Journalisten zu überzeugen, mit den Agenten zusammenzuarbeiten, wurden ihnen wesentliche Geldsummen angeboten. Manche Personen in führenden US-Medien standen gar auf der Gehaltsliste des Geheimdienstes. Diejenigen, die nicht sofort bereit waren zu kooperieren, wurden bestochen oder mit bestimmten Privilegien überredet mitzumachen. Schließlich reichte die Finanzierung für das geheime Programm dafür aus. Teilweise wurde die Operation Mockingbird aus dem Budget des Marshallplans unterstützt. Bei der CIA selbst waren mehr als 3.000 Mitarbeiter an der Operation beteiligt. Somit konnten leicht bestimmte Artikel mit notwendigem Inhalt in führenden Zeitungen veröffentlicht werden. Der Mensch liest, der Mensch glaubt - die Propagandamaschine läuft.

Neue Zeiten, alte Tricks

Bis heute existiert die Operation Mockingbird und nimmt schon längst nicht nur auf amerikanische Medien Einfluss. Im Ausland sind viele Journalisten für die CIA tätig. Vieles wurde aus dem Untersuchungsbericht des US-Senators Frank Church in 1976 bekannt, den es teilweise im Internet zu finden gibt.

Die raffinierten Tricks der CIA im Rahmen des Mockingbird-Systems spielen auch zu unserer Zeit eine sehr wichtige Rolle für die US-Außenpolitik, insbesondere was die Unterstützung Europas bei amerikanischen militärischen Eingriffen in fremden Staaten betrifft. Kaum vorstellbar, dass Kriege wie im Irak oder Regimestürze wie in Libyen von EU-Bürgern ohne raffinierte Gehirnwäsche durch manipulierte Medien bejubelt wären. Grünes Licht für militarisierte Demokratie! Beispiele gibt es genügend. Und auch die Situation in der Ukraine ist nichts anderes als ein weiteres Beispiel der grausamen Promotion von US-Interessen durch unsere "freie" und "unabhängige" europäische Presse. Um unsere Geschichte ein bisschen spannender zu machen, wollen wir uns doch gleich ein paar aktuelle Beispiele in den deutschen Medien ansehen, wo jede Logik offensichtlich fehlt.

Schon bei vielen Reportagen hat uns die N24-Redaktion gezeigt, dass ihre Mitarbeiter ganz locker mit Fakten umgehen und sich gerne etwas dazudenken. Und wenn man schon was dazu gedacht hat, warum nicht gleich der Öffentlichkeit als Tatsache vorstellen? Dies wird jedoch vorsichtig gemacht, damit es nicht zu sehr auffällt. Und wenn solch eine Manipulation mehrmals durchgeführt wird, empfindet ein unaufmerksamer Zuschauer schon bald die vorgestellte Information als sinnvoll.

Ein jüngstes Beispiel war die N24-Reportage über die Wahlen in den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk [Video]. Gar zu reden davon, dass der Bericht über eine bürgerliche Abstimmung mit Bildern von aggressiven "separatistischen" Kämpfern begonnen hat, was den Zuschauer sofort auf eine negative Meinung über die Motive der Republikenführungen anstimmt. Und dazu auch noch die grimmige Stimme von Christoph Wanner, der auf diesem konkreten Video schon fast mit Trauer spricht. Aber viel wichtiger ist die Schlussfolgerung, die der Reporter am Ende seines 3-minütigen Berichts zieht:

"Die abtrünnigen Gebiete Donezk und Lugansk verwandeln sich allmählich in einen sogenannten eingefrorenen Konflikt. Ein Faustpfand in den Händen des Kremls. Der dauerhafte Krisenherd im Osten der Ukraine verhindert ein Abwandern des restlichen Landes nach Westen, denn weder EU, noch NATO werden eine zerrissene Ukraine in ihr Bündnis aufnehmen."

Nichts ungewöhnliches auf den ersten Blick. Doch wenn man genau hinhört, merkt man nicht nur eine Beschuldigung gegen Moskau, welches angeblich mit allen Mitteln versucht, das Anstreben Kiews Richtung Westen zu unterbinden. Übrigens, hat der Kreml niemals offiziell gesagt, dass Russland gegen einen EU-Beitritt der Ukraine sei. Gegen einen NATO-Beitritt der Ukraine – ja, aber gegen einen EU-Beitritt – nein, denn dies sei eine souveräne Wahl Kiews. Das haben Putin sowie sein Außenminister Lawrow mehrmals öffentlich wiederholt.

Doch in diesem Zusammenhang ist eine weitere Verdrehung von Fakten noch viel interessanter. Aus den Worten von Christoph Wanner geht hervor, dass die Ukraine schon längst eine offizielle Einladung aus Brüssel erhielt, in die Reihen der EU-Staaten zu treten. Und nur Russland sei völlig daran schuld, dass das Land immer noch nicht offizieller Teil der Europäischen Union geworden sei. Aber niemals jedoch war die Rede von einem EU-Beitritt, denn von Anfang an ging es nur um ein Assoziierungsabkommen, und zwar ohne irgendwelche bestimmten Perspektiven. Schön und gut, wenn dies nur ein Fehler des Korrespondenten wäre, doch wer öfter bei N24 reinschaut und aufmerksam aufpasst, kann schon viele durchdachte Taktiken bei der Berichterstattung finden. Die Kunst der Interpretation also, oder besser gesagt der Missinterpretation.

Nicht weniger interessant war auch das jüngste Interview mit Russlands Präsident Wladimir Putin bei ARD. Ungefähr eine halbe Stunde beantwortete der Kreml-Chef Fragen des deutschen Journalisten. Mit vielen Einzelheiten erklärte Putin Russlands Haltung und Sicht im ukrainischen Konflikt. Doch wenn man sich die anschließend veröffentlichten Artikel auf bekannten Nachrichtenseiten ansieht, wird man merken, dass einige aus der Sicht eines Analytikers sehr wichtigen Argumente und Kommentare des russischen Präsidenten einfach ignoriert werden. Vor allem das, was er über die Stationierung von NATO-Stützpunkten rund um Russlands Grenzen gesagt hat.

Mit unglaublicher Bemühung versuchen die Berichterstatter zumindest klitzekleine Haken zu finden, um Putin mal wieder zu dämonisieren und als den Schuldigen für alle Leiden des ukrainischen Volkes zu präsentieren. Dabei ignorieren sie absolut offensichtliche Fakten und Zahlen. Und auch wenn es kompliziert ist eindeutig festzustellen, welche Seite in welchem Ausmaß an diesem blutigen Konflikt beteiligt ist, kann man mit Sicherheit sagen, dass in den führenden deutschen Medien Einseitigkeit und Vorurteile herrschen. Womöglich dank der Operation Mockingbird. Denn auch wenn heute andere Zeiten herrschen, bleiben immer alte Tricks im Ärmel.

Zum ersten Teil des Artikels...


comments powered by Disqus