10 Dezember 2014 0

Stempeljournalismus: Alternative Meinung? Nicht bei der FAZ bitte!

Andreas Kahl | Europa Objektiv

In einem jüngsten Beitrag vom 9 Dezember bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung versuchte Journalistin Anna Prizkau wohl besonders scharfsinnigen Humor zu zeigen, als sie ihre Meinung über Friedensdemos gegen Krieg, einseitige Berichterstattung und verlogene Politiker äußerte. Aber leider erhielt ihre endlose Tirade in der Feuilleton-Kolumne keinen warmen Empfang von den FAZ-Lesern. Das sieht man an den meistenteils negativen Kommentaren.

Foto: © wikimedia.org/Cherubino

Kein Wunder auch, denn man muss nur einmal kurz oberflächlich diesen "Bericht" durchschauen, um schnell zu begreifen, dass dort gar keine Recherche oder Analyse stattgefunden hat. Zudem bringen die Formulierungen der Autorin eher beleidigende Stempel zum Vorschein statt Sinn für Humor. So sieht heute wohl professioneller Journalismus bei der FAZ aus. Aber im Gegensatz zu Frau Prizkau wollen wir nicht grundlos Menschen mit alternativem Weltblick angreifen, deshalb führen wir gerne einige Zitate aus ihrem Artikel heran.

"Die Kritik an Putin, der einfach so, weil er es kann, sich die Krim nahm, katalysierte diese Bewegung der Wahrheitssucher."

Bravo! Sehr simpel macht es sich die Autorin. Zwar versammeln sich die Menschen, weil sie einseitige Berichterstattung und Hetze gegen Russland satt haben, keinen neuen Krieg und stattdessen Frieden wollen, aber diese Erklärung ist ja natürlich viel logischer.

"Die sind verrückt oder werden vom Kreml bezahlt, denn dass der Kreml für Hass auf Twitter und Facebook zahlt, ist bewiesen."

Bewiesen? Wo bitte? Die Polemik in führenden Medien soll das wohl bewiesen haben... Das einzige was wirklich bewiesen wurde, ist das gewaltige Spionagenetzwerk der USA. Und Stimmen wie die von Udo Ulfkotte werden auch immer lauter, was gekaufte europäische Journalisten betrifft. Wurde Frau Prizkau vielleicht auch für ihren Beitrag vom CIA belohnt? Eher nicht, wenn man die feine Logik ihrer Argumente betrachtet. Denn eine andere Meinung heißt in der Sprache dieser Journalistin sofort Kreml-bezahlter Hass. Nicht sehr überzeugend, Frau Prizkau.

"Diese Deutschen, die da sprechen, hassen Presse und Politik, Amerika und Israel, den Kapitalismus machen sie für alles verantwortlich und sind im Grunde einfach nur gegen die Demokratie. Dafür lieben sie Russland. <...> Und deshalb spiegeln sich in ihren Argumentationen gegen Kapitalismus, Amerika, Freiheit oder Homosexualität auch die Argumentationen des Kremls, der Russen wieder."

Also hier bräuchte man doch ein klein bisschen Recherche. Aber da verlangen wir sicher zu viel von den FAZ-Mitarbeitern. Den einseitigen deutschen Mainstream-Medien und der in letzter Zeit nicht sehr glaubwürdigen außenpolitischen Linie der Bundesregierung nicht zu trauen heißt nun also sofort, dass man Putin-Freund ist? Applaus, Frau Prizkau, da verdienen Sie sicher den ersten Preis in Logik!

"Ja, Banken und Amerika sind auch die Feinde der Russen. Aber das mächtige Putin-Land lässt sich nicht von Bankern oder Amerikanern tyrannisieren. <...> Und es ist diese Art Entschlossenheit und Stärke, die den Friedensbewegten so gefällt. Denn sie wollen sich auch nicht mehr unterwerfen lassen, zumindest nicht von Banken oder Amerikanern. Und besonders nicht von irgendwelchen Politikern, die auf Mahnwachen ebenfalls putinmäßig-entschlossen gehasst werden."

Je weiter, desto logischer. Und vor allem diese Stempel sind so professionell. Differenzieren, analysieren, recherchieren oder sich zumindest mal erkundigen? Zwecklos für die FAZ-Autorin. Denn für sie ist alles absolut simpel und schwarz-weiß. Wer nicht mit der Meinung der einen Mannschaft einverstanden ist, steht sofort automatisch auf der Seite des anderen Teams. Dabei protestieren die meisten Demoteilnehmer in diesem Zusammenhang nur gegen Anti-Russland-Hetze in den deutschen Medien. Das macht sie aber nicht gleich zu bezahlten Putin-Fans oder wie auch immer die Journalistin sie bezeichnet.

"So, wie sie da klatschen auf ihrer Mahnwache, so, wie sie brüllen, so werden auch die öffentlichen Worte Wladimir Putins in Russland gefeiert. Und so ist das wahre, heimliche Mastermind dieser deutschen „Friedensbewegung“ nicht Jürgen Elsässer, nicht Ken Jebsen, nicht sonst irgendwer, es ist der russische Präsident höchstpersönlich."

Frau Prizkau ist ein echter Guru, was Ermittlung betrifft, denn diese Schlussfolgerung ist ein Meisterwerk. Mit anderen Worten hat der russische Präsident persönlich deutsche Bürger einer Gehirnwäsche unterzogen?

"Wie aber kann man diese Friedensbewegten aufhalten? Und wo? In Deutschland? <...> Oder doch eher in Russland? Denn dort lebt und regiert ihr großes antidemokratisches Vorbild. Die Sache ist einfach: Solange Putin an der Macht ist, solange seine Macht immer größer wird, solange er sich mit voller Entschlossenheit gegen die westlichen Werte erhebt, bleibt er der Antrieb der neuen Wahrheitssucher in Deutschland, und ihre Bewegung wird wachsen. Und wenn er dann doch eines Tages zurücktritt, gestürzt oder abgewählt wird, oder einfach so, weil er es kann, für immer auf einem großen, weißen Pferd davonreitet? Dann erst werden die Friedensbewegten aufhören, ihre Wahrheit und ihren Hass montags dem Brandenburger Tor entgegenzubrüllen. Hoffentlich."

Noch deutlicher kann die Autorin wohl kaum noch in ihrer sinnlosen Polemik werden. Putin soll weg. Und somit auch seine schreckliche deutsche Zombie-Bewegung. Ein wahres Prachtstück der modernen US-orientierten Journalistik in Deutschland. Unprofessionell, billig, argumentationslos, aber voller Hass, Stempel, Vorurteile und Ablehnung von alternativen Meinungen.

Fazit: Klar gibt es in allen Bewegungen auch mal radikale Elemente (das zeigen auch die Demos gegen Asylheime und Islamisierung, wo sich unter friedliche Protestler auch mal rechte Kräfte untermischen), aber das heißt nicht, dass man alle Teilnehmer im selben Blickwinkel sehen darf. Leider ist die Welt nicht so einfach, dass man alles und alle in zwei Gruppen aufteilen kann. Aber wie ich schon öfter geäußert habe, ist heutzutage Analyse und Recherche nur sehr unbeliebt in der europäischen Medienlandschaft. Und wenn ich daran denke, erinnert mich das immer mehr an meine Kindergartenzeit, denn die Logik der Argumentationen befindet sich leider auf dem gleichen Niveau: was nicht weiß ist, kann nur schwarz sein, und was sonstiges kann es ja gar nicht geben.

Zum Glück sind sich immer mehr Leser und Zuschauer selbst bewusst, dass man schon lange nicht mehr jeden Quatsch glauben darf, der der Öffentlichkeit vorgeführt wird. So bleibt nur zu hoffen, dass der Bürger immer öfter kritisch und analytisch vorgeht, wenn er neue Informationen empfängt. Egal aus welchen Quellen. Und was den Artikel von Frau Prizkau betrifft, so gleicht dieser eher einem Schulaufsatz, für den sie sicher keine gute Note erhalten hätte.


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