03 Juni 2015 0

Polnische Zeitung: Russophobie wird in der Ukraine zum Beruf

"Nachrichten, die wir aus der Ukraine erhalten, sind gleichzeitig lustig und schockierend. Und obwohl schon lange nur schlimme Nachrichten zu hören sind, ist das, was in den letzten Tagen geschehen ist, ein ganz neuer Standard entweder des Unsinns, entweder eines Vorspiels zum totalen Krach. Denn man kann nur schwer einige Entscheidungen über die Amtsvergabe begreifen", so kommentiert die polnische Onlinezeitung Obserwator Polityczny die Ernennung des Ex-Präsidenten von Georgien Micheil Saakaschwili zum Chef der Region Odessa, inklusive ukrainische Staatsbürgerschaft.

Foto: © Flickr/skhakirov

"Verteilt denn der ukrainische Staat seine Staatsbürgerschaften willkürlich oder vielleicht nur an Kriminelle oder Militärverbrecher, oder diejenigen, die nicht ganz dicht sind? Was muss man tun, damit die ukrainische Regierung dich respektiert? Vielleicht die Opposition im eigenen Staat unterdrücken, gnadenlos unschuldige und friedliche Bürger angreifen? Töten? Verbrennen? Vernichten? Das eigene Land zum Krieg anstoßen? Öffentliche Proteste aufrufen, nur um an der Macht zu bleiben? Minderheiten verfolgen? Was muss man tun, um die ukrainische Staatsbürgerschaft zu erhalten und dazu auch noch das Recht auf Macht in diesem Land?" - fragt sich der Autor und antwortet weiter selbst auf seine Rhetorik:

"Es wird genügen ein Russophob zu sein, den man im eigenen Land als Kriminellen verfolgt, als denjenigen, der einen Krieg anstiften wollte, einen Mann mit einem widersprüchlichen Ruf."

All das sei unglaublich, schreibt er weiter. Auch wenn man die Doppelstandards von gefallenen Ländern berücksichtigt... Wie tief ist dann die Ukraine gefallen, wenn man ihre Staatsbürgerschaft locker zwischen Frühstück und Mittagessen erhalten kann. Und obendrauf werden auch wichtige Ämter verteilt. So vergebe der Staatschef Arbeit in der Regierung an seine ausländischen Komplizen, denn unter seinen Mitbürgern gebe es niemanden, auf den er sich stützen könnte, vermutet der Autor.

So werden rechtliche Grundsätze verleugnet. Und was ist mit den Idealen des Maidans geworden? Die Ereignisse der letzten paar Tage, so der Journalist von Obserwator Polityczny, hätten gezeigt, wie weit die Ukraine von den demokratischen Standards der zivilisierten Welt sei. Ein Jahr ist seit der Tragödie in Odessa vergangen, wo unschuldige Menschen bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Die Ermittlung dieses Verbrechens sollte Priorität werden für die ukrainische Regierung, doch diese habe beschlossen die Tragödie zu vertuschen, schreibt der polnische Publizist.

"Es ist unglaublich. Die Welt und die Zukunft in einer multinationalen Gesellschaft kann man auf diese Weise nicht aufbauen. Was haben die Bewohner von Odessa statt Wahrheit erhalten? Was haben die Familien der Verbrannten erhalten? Professionelle Russophobie? Vielleicht wird Russophobie auch noch zu einem Fachbereich an Universitäten? Denn Russen verbrennen hat man schon gelernt", schlussfolgert der Autor.


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