11 November 2014 0

Exklusives Interview mit Udo Ulfkotte über die Ukraine und "gekaufte Journalisten"

UDO ULFKOTTE: „Die bekanntesten und angeblich unabhängigsten Medien hängen eigentlich an der Leine des amerikanischen Außenministeriums“.

Foto: Flickr/Christliches Medienmagazin pro

Udo Ulfkotte – ist bekannter Politikwissenschaftler, Publizist und Journalist, der seit 1986 bis 2003 bei der politischen Redaktion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ tätig war. Sein neues Buch „Gekaufte Journalisten“, das die Abhängigkeit der deutschen Medien von den USA beschreibt, ist schon ein Bestseller geworden.

Europa Objektiv: Herr Ulfkotte, nach der Veröffentlichung Ihres Buches haben Sie bestimmt viele Feinde. Haben Sie keine Angst vor politischer, gesetzlicher Verfolgung? 

Udo Ulfkotte: Es ist nicht das erste Buch, das ich geschrieben habe, welches brisant ist, und Angst vor politischer Verfolgung habe ich ganz sicher nicht. Ich habe sechs Hausdurchsuchungen in der Vergangenheit gehabt, wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat. Die sind alle ergebnislos eingestellt worden, man hat mir vor der Veröffentlichung dieses Buches damit gedroht, dass ich strafrechtlich, zivilrechtlich, presserechtlich verfolgt werde. Das ist bislang nicht passiert. Aber es soll mir auch egal sein. Ich hatte drei Herzinfarkte. Falls noch mehr käme, dann kann ich nun vielleicht wie Edward Snowden politisches Asyl in Moskau beantragen. Aber ich nehme mal an, dass das nicht der Fall sein wird. Ich habe ja beim Thema "gekaufte Journalisten" in diesem Buch versucht wirklich Absatz für Absatz alles zu belegen, was ich sage, damit es nicht reizt an Verschwörungstheorien. Und habe natürlich auch Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, für die ich 17 Jahre lang gearbeitet habe, namentlich genannt, wenn ich gesagt habe: Sie sind geschmiert worden, aber sie sind sehr stark verfangen in proamerikanisch transatlantischen Netzwerken, die zum Teil auch mit der CIA zusammenarbeiten. Was für mich sehr interessant war, sechs Wochen lang hat die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» überhaupt nicht auf das Buch reagiert. Nachdem es massenweise Abbestellungen von Abonnements, Kündigungen gibt, seither habe ich sehr erstaunt, dass einer der Herausgeber der Zeitung heute sinngemäß erklärt hat, dass ich verrückt sei. Also, dass ich psychisch gestört sei.

Foto: © www.kopp-verlag.de

Europa Objektiv: Sie haben über korrumpierte Journalisten geschrieben. Ich würde gerne wissen, wann hat das alles angefangen? Wann ging die Ära der Pressefreiheit im deutschsprachigen Raum zu Ende? Oder hat sie überhaupt irgendwann existiert? 

Udo Ulfkotte: Natürlich gibt es Pressefreiheit in Europa und in Deutschland. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es so, dass in den westlichen Zonen, in Deutschland, die Amerikaner die Medien neu aufgebaut haben, weshalb ihre Berichterstattung durchweg nur proamerikanisch war, aus der Sicht der Leader sicherlich auch verständlich, für einen bestimmten Zeitraum. Aber die Medien in Deutschland haben sich davon bis heute nie wirklich emanzipiert. Der Großteil der Medien, der Leitmedien, ist eng verflochten nach wie vor mit transatlantischen Netzwerken, und sie werden keine, in den großen Medien, wie in der «Süddeutschen Zeitung», im «Spiegel», in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, im Privatfernsehen, sie werden keine antiamerikanische, sondern antirussische Berichterstattung finden, wenn Sie es genau analysieren, alle wissenschaftlichen Studien von unseren eigenen Wissenschaftlern in den letzten Jahren attestieren deutschen Medien eine sehr tendenziöse Berichterstattung: antirussisch, proamerikanisch, antiasiatisch auch. Ich sehe in sehr vielen Punkten die Pressefreiheit in Deutschland bedroht, weil wir sehr viel Propaganda und Desinformation haben, sehr viel Einfluss an der Berichterstattung. Aber wir sehen ja durch dieses Buch: man kann immer noch sehr viele Dinge veröffentlichen, die sehr konträr sind zum Mainstream, zu dem, was die sogenannten Qualitätsmedien berichten. Also ich habe immer noch die Freiheit zu sagen was ich denke oder wie ich die Welt sehe Und wenn wir keine Pressefreiheit und Meinungsfreiheit hätten, dann könnte ich das alles auch nicht mehr sagen.

Ich sehe in sehr vielen Punkten die Pressefreiheit in Deutschland bedroht, weil wir sehr viel Propaganda und Desinformation haben, sehr viel Einfluss an der Berichterstattung.  

Europa Objektiv: Sie schreiben über Marionetten in Redaktionen. Wie funktioniert dieses System? Geht es um Geld, Geschenke? Sind die Journalisten unter politischem oder finanziellem Druck?

Udo Ulfkotte: Es geht nicht in erster Linie um Geld. Es gibt einen sehr bekannten deutschen Politiker Willy Wimmer. Er war Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister in der BRD unter Helmut Kohl  - er hat das gesagt, was viele erschüttert hat. Er hat gesagt, wenn das amerikanische Außenministerium abends noch bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, einer der renommiertesten deutschen Zeitungen, anruft und ein bestimmtes Thema in der Zeitung haben möchte oder möchte etwas geändert haben, dann machen die das. Das heißt dieser bekannter Politiker, der renommiert ist, hat der Öffentlichkeit gesagt, selbst die bekanntesten und angeblich unabhängigsten Medien hängen eigentlich an der Leine des amerikanischen Außenministeriums. Das ist genau das, ich habe ja 17 Jahre bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gearbeitet, was ich dort eben auch gesehen habe, dass es Netzwerke gibt, ich selbst habe auch mit dazu gehört, proamerikanische Netzwerke. Man berichtet in einer bestimmten Art und Weise und eben sehr häufig so wie es die Amerikaner gern hätten. Konkretes Beispiel für Sie. Es gibt in deutschen Medien immer wieder Stellen zu besetzen zu Korrespondenten in Moskau. Ich habe es nie erlebt, dass der beste, also von der Qualifikation her, also derjenige, der die russische Kultur am besten kennt, der am besten russisch spricht, der also am besten geeignet wäre von seinen Kenntnissen her, dass derjenige diesen Job bekommen hat als Korrespondent für eine deutsche Zeitung, Radio oder Fernsehen in Moskau. Und ich habe es durchweg erlebt, dass  Personen, die in den USA ausgebildet worden sind, die möglicherweise nicht ein Wort russisch sprachen, keine Ahnung von der Kultur hatten, aber eben sehr stark proamerikanisch waren, dass sie geschickt wurden. Woher kommt das? Wie kann ich das belegen? Das können wir sehr einfach belegen, wenn wir die Liste der Moskau-Korrespondenten anschauen und gucken, in welchen transatlantischen Organisationen sie sind oder waren. Sie waren oder sind in der Atlantikbrücke, John Marshall Fund of the United States, Aspen Institute. Wir könnten uns jetzt eine Viertelstunde über diese ganzen proamerikanischen Organisationen unterhalten. Aber in der Regel sind es alles Personen, die von vorne rein antirussisch eingestellt sind oder ganz sicherlich nicht prorussisch. 

Das ist genau das, ich habe ja 17 Jahre bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gearbeitet, was ich dort eben auch gesehen habe, dass es Netzwerke gibt, ich selbst habe auch mit dazu gehört, proamerikanische Netzwerke. 

Europa Objektiv: Sind die Medienlügen nicht offensichtlich für die Deutschen?

Udo Ulfkotte: Oh, Ja. Das sehen sehr, sehr viele Menschen in Deutschland inzwischen auch so. Es ist so, wenn Sie sich online die Portale anschauen, das sind die großen Medien – die «Süddeutsche Zeitung», «Die Zeit» oder die öffentlich-rechtlichen Sender - dass die Kommentarfunktion zum Thema Ukraine-Krise meistens, fast immer desaktiviert ist, weil die Bürger Dinge darein schreiben, die sie nicht hören wollen, weil sie nicht mehr an diese einseitige Darstellung glauben. Woran die Deutschen das am besten gesehen haben, war eigentlich der Absturz des Flugzeuges «Malaysia Airlines» MH17. Da haben die Trümmer noch nicht den Boden berührt, da haben deutsche Medien schon gesagt: das waren die Russen oder das waren prorussische Separatisten. Es findet also überhaupt kein Hinterfragen mehr statt, egal was passiert. Man kommt reflexartig in den Medien dazu zu sagen, was auch immer dort passiert, das waren die angeblich bösen Russen. Man traut den Medien generell nicht mehr. Das hat nichts mit einem bestimmten Sender, mit einem bestimmten Radiosender oder einer bestimmten Zeitung zu tun. Sondern das Vertrauen, die Glaubwürdigkeit der Medien in Deutschland - das gilt auch für andere europäische Staaten - ist unglaublich erschüttert. Das heißt nicht, dass die Menschen von heute auf morgen alle prorussisch werden, oder prochinesisch. Das sicherlich nicht. Aber sie sehnen sich nach unabhängiger Berichterstattung, wo sie nicht den Eindruck haben, sie werden beeinflusst. Und deshalb ist es schön, wenn neue russische Sender, oder Sender aus anderen Ländern auch mal deutsche Programme habe. Ich glaube nur, dass es ein Grundbedürfnis für Menschen gibt, auch mal eine andere Meinung zu hören, wenn es aus anderen Ländern auch deutschsprachige Programme gibt, weil die Menschen hier zumindest testen werden, wie sie dort informiert werden. Ob die Medienlügen offensichtlich sind? Ja, sicher. Weil bei vielen Punkten ist es ja  häufig rückblickend, das heißt die Menschen merken nicht sofort, wenn sie belogen werden, sondern sie merken das Monate oder Jahre später. Man hat das gesehen. Große typische Beispiele sind vor dem Beginn des Irak-Krieges, als von heute auf morgen Saddam Hussein der Böse ist und am liebsten Kinder auf den Boden schmeißt. Heute wissen wir, dass das alles fabrizierte Beweise und Informationen waren. Und das haben die Menschen eben sehr häufig mitbekommen.

Von Europa Objektiv 


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