24 Dezember 2014 0

Rainer Hill: Die USA sind daran interessiert, in der Ukraine bzw. rund um Russland militärische Stützpunkte zu installieren

Rainer Hill ist ein berühmter politischer Kommentator und ständiger Autor beim E-Magazin „Buergerstimme“ (http://buergerstimme.com).  

Foto: © Facebook/Rainer Hill

Europa Objektiv: Herr Hill, wie können Sie die Ukraine-Berichterstattung in deutschen Medien einschätzen? Ist sie objektiv? 

Rainer Hill: Von meiner Seite aus ist das in keinster Weise objektiv. Die Medien sind ja in unserem Land – ich denke mal, das wird auch die restliche westliche Welt betreffen – nicht wirklich frei. Sie sind gekauft, sie tragen Maulkörbe, sie werden dafür bezahlt, dass sie im Sinne, sagen wir mal, der Regierungsparteien die Berichterstattung so vortragen, so schreiben, wie sie es tun.

Europa Objektiv: Sie schreiben neutral, unabhängig, Sie verteidigen nicht die Politik Deutschlands oder der EU. ("Poroschenko legt sich in kriegerischer Absicht mit Russland an", "Ukraine: Rechtsextreme Milizen bestimmen die Politik") Ich kann vermuten das ist nicht so einfach, wenn fast alle Medien proamerikanisch und antirussisch sind? 

Rainer Hill: Es ist in so fern einfach, dass ich mich mit niemandem absprechen muss. Ich schreibe meine Artikel aufgrund dessen, was ich selber in den Medien lese, was ich mir übers Internet heraussuche und bilde mir dann daraufhin meine eigene Meinung. Und die muss ich mit niemandem abstimmen.

Europa Objektiv:  Man diskutiert viel über den neuen Kalten Krieg. Welche Stimmungen gibt es in der deutschen Gesellschaft? Oder existiert der Kalte Krieg nur in den Köpfen der Journalisten?  

Hört mal zu, liebe Leute, das was ihr da in den Mainstream-Medien lest oder im Fernsehen seht, das ist so nicht ganz richtig 

Rainer Hill: Also der Kalte Krieg ist in den Köpfen der Politiker, die sagen den Journalisten, was sie zu schreiben haben. Und die versuchen es natürlich dann entsprechend beizubringen, indem sie die Artikel in die Mainstream-Medien lanciere,. Wir haben ein paar ganz spezielle Favoriten für solche Sachen, die mit entsprechender Rhetorik ausgestattet sind, und auf diese Art und Weise versuchen die Leute vor dem Bildschirm oder vor den Zeitungen zu manipulieren. Das ist dann auch so, dass bis 1989, bzw. bis zur Auflösung der Sowjetunion immerhin auch im Westen gesagt wurde, dass der Osten der böse Pate der Gesellschaft ist. Dass Putin sich in den letzten Jahren so vorgetragen hat, dass er auf die Menschen am besten zugegangen ist, und auch die Politik und die Wirtschaft im Westen, das ist teilweise rübergekommen. Aber ratzfatz haben sie den auch wieder fallen gelassen. Und da sitzt er nun von Seiten der Medien her. Und da hat man Schwierigkeiten zu sagen 'Das glaub ich jetzt nicht'. Da hat man leider nicht die Zeit dafür. Das ist auch der Grund, warum ich meine Artikel so schreibe, dass der normale Leser auch angesprochen wird, um den Leuten zu sagen „Hört mal zu, liebe Leute, das was ihr da in den Mainstream-Medien lest oder im Fernsehen seht, das ist so nicht ganz richtig“.

Europa Objektiv:  „Putinversteher“ – das ist schon ein Negativbegriff in deutschen Medien. Warum ist das so? Was denken die Deutschen über den russischen Präsidenten? 

Rainer Hill: Also wenn man mich auf der Straße fragen würde, würde ich wahrscheinlich sagen, dass ich nicht wirklich dazu eine Meinung habe, weil ich den Herrn Putin nicht wirklich kenne. Und das was man in den Medien liest, ist auch nicht unbedingt das, was sie jetzt wirklich glauben. Weil die Menschen eigentlich genug davon haben von diesen Ost-West-Beziehungen, vom Kalten Krieg. Die Menschen wollen auch in Deutschland in Frieden mit dem Nachbarn leben. Und wenn die Leute nachdenken, müssen sie zu dem Beschluss kommen, dass Russland uns als Nachbar näher ist, als die Amerikaner. Und wenn man sich anguckt, was wir von den Amerikanern in den letzten Jahrzehnten bekommen haben, dann müssen die Leute auch einsehen, dass das, was die Amerikaner machen und gebracht haben, nicht immer das Positivste ist. Die haben auch die Sachen mit den Wirtschaftsgipfeln, mit dem TTIP zum Beispiel, wo die Amerikaner versuchen auf den europäischen Markt zu schwemmen und hier sozusagen die Wirtschaft einigermaßen auszuhöhlen und wir werden dementsprechend auch einen Minus machen in unseren Umsätzen. Das sind natürlich solche Sachen, die die Bevölkerung befürchten wird. Deswegen gehen die Leute auch teilweise auf die Straße. Leider sind es nicht so viele, die auf die Straße gehen, weil es viele gibt, die sagen 'Es ändert ja doch nichts, da oben kommen wir nicht an'. Aber die Leute sind schon positiv eingestellt. Sie sehen, was Putin alles macht, und dass er sich halt nicht provozieren lässt.

Europa Objektiv:  Wie könnten Sie die politische Situation in der Ukraine einschätzen? 

Die politische Situation in der Ukraine ist aus meiner Sicht ein Pulverfass 

Rainer Hill: Die politische Situation in der Ukraine ist aus meiner Sicht ein Pulverfass. "Die Regierung", die dort sitzt, ist von vornherein in ihren Entscheidungen nie frei gewesen. Auch wenn die Wahlen, sagen wir mal, mehr oder weniger demokratisch abgehalten worden sein sollen, sehe ich doch ganz ernsthaft, dass das Volk weiß, was sie sich da auch gebildet haben, indem sie Herrn Poroschenko und dann Jazenjuk gewählt haben. Denn wie es kürzlich erst gezeigt hat, wurden bereits drei amerikanische Minister dort installiert, die auch die ukrainische Staatsbürgerschaft bekommen haben und in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen wurde was von den Amerikanern bewegt. Und das  zeigt klar, dass der Ausverkauf der Ukraine, der Ressourcen, die dort vorhanden sind, weiter stattfinden wird. Die Ukraine ist ja selbst pleite, muss man sagen, weil… sie haben ja Schulden ohne Ende. Sie bekommen von der EU Milliarden an Zuschüssen überwiesen. Das Problem ist – ich weiß nicht, ob die Ukrainer das tatsächlich wissen – dass sie von der EU und von den US-Amerikanern unterstützt werden.

Europa Objektiv:  Wie sehen Sie die Rolle der USA in dieser Krise? 

Insgesamt sind für mich die USA die Strippenzieher, die hinter all dem stecken 

Rainer Hill: Insgesamt sind für mich die USA die Strippenzieher, die hinter all dem stecken. Für die USA geht es seit einiger Zeit, und es wird immer schlimmer, wirtschaftlich und international ums Überleben. Auch der Dollar ist am Ende. Sie halten ihn auch künstlich aufrecht, indem sie halt massenhaft den Dollar drucken und andere Länder unter Druck setzen. Die USA sind daran interessiert, in der Ukraine bzw. rund um Russland militärische Stützpunkte zu installieren, weil sie auch letzten Endes Russland einkassieren wollen, wie man so schön sagt. Und sie müssen ihren Machtbereich auch auf Russland übertragen, Russland sich unterwerfen, damit sie sich endlich als alleinige Weltherrscher aufspielen können. Ich halte die USA für sehr gefährlich.

Europa Objektiv:  Wie sehen Sie die weiteren russisch-deutschen Beziehungen?

Rainer Hill: Ich habe ja die Hoffnung. Ich weiß nicht, ob sie das mitbekommen haben, aber es gehen mittlerweile mehr Menschen in Deutschland auf die Straße, um gegen die Russland-Sanktionen zu demonstrieren. Einige Themen auf den Straßen sind: "Wir wollen Frieden mit Russland", "Wir wollen wirtschaftliche und freundliche Beziehungen mit Russland". Das zeigt, dass sich immer mehr Menschen es nicht gefallen lassen, dass die Regierung versucht Deutschland in den Krieg zu treiben, als Vasall der USA. Das werden wir uns nicht gefallen lassen. Und es werden immer mehr Menschen auf die Straße gehen.

Von Nikolaj Ivanov, Andreas Kahl ("Europa Objektiv")


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