03 April 2015 0

Pepe Escobar in der Ostukraine: Heulen in Donezk

Korrespondent von Asia Times Pepe Escobar ist gerade von seiner Reise in die Donezker Volksrepublik zurückgekehrt. Dort wurden heftige Kämpfe mit der ukrainischen Armee geführt. Escobar war Teilnehmer einer Press-Tour, die von Europa Objektiv organisiert wurde.

Autor: Pepe Escobar

Übersetzung: Andreas Kahl | Europa Objektiv

Ich war gerade in der umkämpften Donezker Volksrepublik. Jetzt bin ich zurück in der prächtigen Arroganz und Unverschämtheit von NATOstan.

Ziemlich viele Leute – im Donbass, in Moskau und jetzt auch in Europa – haben gefragt, was mich am meisten während dieser Reise beeindruckt hat.

Ich könnte damit beginnen "Das Geheul" von Allen Ginsberg umzuschreiben: "Ich habe die besten Köpfe meiner Generation gesehen, die von Wahnsinn zerstört wurden".

Aber das war in den 50rn im Kalten Krieg. Jetzt sind wir am Beginn des 21. Jahrhunderts im Kalten Krieg 2.0.

Das, was ich gesehen habe, waren somit die Nebeneffekte der schlimmsten Köpfe meiner und der nachfolgenden Generationen, die von (Kriegs-)Wahnsinn zersetzt wurden.

Ich habe Flüchtlinge auf der russischen Seite der Grenze gesehen, zum größten Teil wie Ihre durchschnittliche europäische Mittelklasse-Familie, dessen Kinder, als sie zum ersten Mal den Bunker betraten, sich sofort unter den Tischen versteckten, als sie ein Flugzeug hörten.

Ich habe den Dylan von Donezk verschanzt in seinem einsamen Zimmer in einem Heim für Veteranen gesehen, das nun eine Flüchtlingsunterkunft ist. Der Mann kämpfte mit dem Blues und der Hoffnungslosigkeit mit seinen Liedern der Liebe und des Heldentums.

Ich habe ganze Familien gesehen verschanzt in komplett dekorierten sowjetischen Bunkern. Und sie hatten so viel Angst, dass sie nicht mal am Tage rauskamen. Sie waren traumatisiert wegen den von Kiew organisierten "Anti-Terror-Operationen".

Ich habe eine moderne, hart arbeitende industrielle Stadt gesehen, die zur Hälfte leer und zum Teil zerstört, aber nicht geknickt wurde. Sie sind in der Lage mit Mut und List und ein bisschen Hilfe von den russischen Humanitär-Konvois zu überleben.

Ich habe wunderschöne junge Frauen gesehen, die an der Lenin-Statue an einem zentralen Platz standen und meinten, dass der einzige Spaß nun auf Familienpartys zu finden ist, weil das Nachtleben tot ist und "wir im Krieg sind".

Ich habe nahezu ganze Nachbarschaften im Bezirk Oktjabrskij nicht weit vom Flughafen gesehen, die ausbombardiert wurden wie Grosny. Der Ort ist praktisch verlassen bis auf ein paar einsame Babuschkas, die keinen Ort zur Flucht haben und zu stolz sind ihre Familienfotos von Helden des Zweiten Weltkriegs aufzugeben.

Ich habe Kontrollpunkte gesehen, wie damals in Bagdad während der Petraeus Meuterei.

Ich habe den führenden Traumatologen im zentralen Krankenhaus von Donezk gesehen, der bestätigt hat, dass es hier kein Rotes Kreuz zu Besuch war und keine internationale humanitäre Hilfe an das Volk von Donezk geliefert wurde.

Ich habe gesehen wie Stanislawa, eine der besten und professionellsten Schafschützerinnen der DPR, die für unsere Sicherheit verantwortlich war, geweint hat, als sie eine Blume auf die Erde lag, wo ein harter Kampf stattfand, in dem ihre Mannschaft unter heftigen Beschuss geriet. Zwanzig Mann wurden ernsthaft verletzt, einer starb, und sie selbst wurde vom Schrapnell getroffen und hat überlebt.

Ich habe orthodoxe Kirchen gesehen, die komplett von Kiews Luftangriffen zerstört wurden.

Ich habe gesehen, wie die russische Fahne immer noch an der Spitze des Anti-Maidan-Gebäudes hängt, das nun das Haus der Regierung der DPR ist.

Ich habe die glänzende Donbass Arena gesehen, das Zuhause von Schachtar Donezk und ein UFO in einer vom Krieg zerrissenen Stadt, verlassen und ohne eine einzige Seele in der Fanzone.

Ich habe den Bahnhof von Donezk gesehen, der von Kiews Schlägern bombardiert wurde.

Ich habe einen Obdachlosen gesehen, der "Robert Plant!" und "Jimmy Page!" geschrien hat. Wie ich festgestellt habe, war er immer noch ein großer Fan von Led Zeppelin und hat seine Schallplatten aufbewahrt.

Ich habe eine Reihe von Büchern gesehen, die niemals aufgaben hinter den zerschlagenen Fensterscheiben des ausbombardierten Bezirks Oktjabrskij.

Ich habe die frischen Gräber gesehen, wo die DPR ihre Helden des Widerstands begräbt.

Ich habe die Spitze von Saur-Mogila gesehen, die der DPR-Widerstand zuerst verlor und dann zurückeroberte. Nun weht dort eine rot-weiß-blaue Fahne.

Ich habe den Superman gesehen, der aus den Trümmern von Saur-Mogila auferstand – die gefallene Statue eines Denkmals zu den Helden des Zweiten Weltkriegs, die vor 70 Jahren den Faschismus bekämpft hatte und nun geschlagen, aber nicht vernichtet wurde, von Faschisten.

Ich habe den Kessel von Debalzewo in der Ferne gesehen und konnte dann völlig erkennen, geographisch, wie die DPR-Strategen die demoralisierten Kämpfer Kiews umringten und einquetschten.

Ich habe gesehen, wie die Armee der DPR am Straßenrand zwischen Donezk und Lugansk militärische Übungen durchführt.

Ich habe den Außenminister der DPR gesehen, voller Hoffnung, dass es eine politische Lösung geben wird anstatt Krieg. Und dabei gab er ehrlich zu, dass er davon träumt, dass die DPR unabhängig wird.

Ich habe zwei krasse Kosak-Kommandiere in einer Pferdezuchtfarm im heiligen Land der Kosaken gesehen, die mir gesagt haben, dass der echte Krieg noch nicht mal begonnen hat.

Ich habe den völlig zerstörten Flughafen von Donezk nicht gesehen, weil das DPR-Militär zu sehr um unsere Sicherheit besorgt war und uns keinen Zutritt erlaubte. Zu dieser Zeit wurde der Flughafen immer noch bombardiert – trotz der Minsk-2-Abkommen; aber ich habe die Zerstörung und den Haufen von Leichen der ukrainischen Armee auf dem Handy eines serbischen DPR-Widerstandskämpfers gesehen.

Ich habe, genauso wie die OSZE-Beobachter, keine Reihen von russischen Panzern und Soldaten gesehen, die der aktuelle Dr. Strangelove, der für die NATO verantwortlich ist, General Breedhate täglich in seinen überschwänglichen Träumen sieht, wenn er die Ukraine immer wieder erobert.

Und ich habe nicht die Arroganz, Ignoranz, Schamlosigkeit und Lügen gesehen, die die manikürten Gesichter derjenigen in Kiew, Washington und Brüssel verzerren, die immer wieder darauf bestehen, dass das ganze Volk des Donbass, die traumatisierten Babuschkas und Kinder aller Altersgruppen nichts anderes als "Terroristen" sind.

Nach allem sind sie von der westlichen "Zivilisation" aktivierte Feiglinge, die es niemals wagen würden ihre manikürten Gesichter dem Volk des Donbass zu zeigen.

Also hier mein Geschenk für sie.

Einfach ein Wutgeheul und unbegrenzte Verachtung.


NATO USA ukraine krieg donbass donezk escobar dpr
comments powered by Disqus