27 August 2015 0

Berlins Russland-Geschäfte gehen drastisch zurück

Von Matthias Loke

Quelle: www.berliner-zeitung.de

Berlin und Russland pflegen traditionell enge Handelsbeziehungen. Deswegen treffen die Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise sowie schwache Konjunktur die Hauptstadt in besonderem Maße. Die Geschäfte gehen zurück, die Unternehmen sind besorgt.

Foto: © Flickr/abbilder

Wer ein geschäftliches Standbein in Russland hat, muss derzeit mit viel Optimismus leben oder seine Erwartungen reduzieren. Der Handel mit dem Land schrumpft weiter. Deutsche Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2015 fast ein Drittel weniger nach Russland exportiert als im Vorjahreszeitraum. Kaum besser erging es Berliner Firmen: Ihre Ausfuhren sanken nach Berechnungen der Berliner Zeitung um knapp 28 Prozent. Im ersten Halbjahr 2014 hatte es bereits für Berlin ein Minus von 35 Prozent gegeben. Auch wenn damals der Abschwung stärker ausfiel: Von einer Verlangsamung kann kaum eine Rede sein. Und das, obwohl das Berliner Exportgeschäft sonst gut läuft: Im ersten Halbjahr wurden fast fünf Prozent mehr Waren ins Ausland geliefert.

Auch die Exporte Brandenburger Firmen nach Russland gingen in den ersten sechs Monaten 2015 um rund 28 Prozent zurück und fielen unter die Marke von 100 Millionen Euro.

Der nachlassende Handel ist die direkte und indirekte Folge der Sanktionen, die infolge des Ukraine-Konflikts verhängt wurden. Zugleich begrenzten der schwache Rubelkurs, der die – erlaubten – Importe aus dem Westen teurer macht, und die sinkende Binnennachfrage die Importmöglichkeiten der russischen Seite, erklärte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes.

Pharma-Produkte, Stromrichter, Transformatoren und Gasturbinen

Bundesweit beträgt der russische Anteil an den Gesamtexporten zwar nur noch zwei Prozent. Aber in Berlin und in den fünf ostdeutschen Bundesländern sind die wirtschaftlichen Beziehungen mit Russland wegen der traditionellen Handelskontakte noch aus sozialistischen Zeiten deutlich enger. In den Jahren 2011 und 2012 war Russland noch das zweitwichtigste Land als Handelspartner für Berliner Unternehmen gewesen. Im vergangenen Jahr war dagegen Russland auf den siebten Rang abgerutscht – und dennoch waren insgesamt noch vier Prozent des gesamten Berliner Exports nach Russland gegangen. Das ist doppelt so viel wie im Bundesschnitt. Die USA waren 2014 unangefochten der wichtigste Abnehmer für Berliner Unternehmen, auf dem zweiten Platz lag Polen.

Die Berliner Firmen selbst wollen zu ihrem Geschäft mit Russland keine Details nennen. Die betroffenen Branchen sind jedoch bekannt: pharmazeutische Produkte, Anlagen zur Stromerzeugung wie Elektromotoren. Generatoren, Transformatoren, Stromrichter sowie Kabel, Drähte und Batterien, und sogenannte Kraftmaschinen, beispielsweise Motoren und Gasturbinen. Rund 13 Prozent aller Ausfuhren von Berliner Unternehmen im pharmazeutischen Bereich hatten 2014 Russland als Zielland. Bei den Geräten zur Stromerzeugung und -verteilung entfielen auf Russland immerhin noch fünf Prozent.

Die Unternehmen sehen den Rückgang und die Sanktionen mit großen Sorgen. „Der deutschen Wirtschaft geht damit ein immenses Exportpotenzial verloren“, sagte Cordes. Unternehmen beider Länder dringen deshalb auch auf ein Ende der gegenseitigen Restriktionen. „Die Wirtschaftssanktionen können nicht die letzte Antwort“ auf die Ukraine-Krise sein, sagte der Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Rainer Seele.


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