14 Juni 2016 0

Krawalle in Marseille – Englische Fans skandieren: »ISIS, wo seid ihr?«

Von Stefan Schubert

Quelle: info.kopp-verlag.de

Noch vor dem Anstoß der Europameisterschaft hat es Ausschreitungen gegeben, als englische Fans mit Einheimischen im alten Hafengebiet von Marseille aneinander gerieten. Schlägereien brandeten auf und Stühle und Flaschen wurden geworfen, sodass die Polizei mit Hunden und Tränengas eingreifen musste.

Foto: © info.kopp-verlag.de

Laut ersten Zeugenaussagen in englischen Medien gaben die Fans an, grundlos von einer Gruppe, die hauptsächlich aus nord- und schwarzafrikanischen Männern bestand, provoziert und angegriffen worden zu sein. Die ferner von einer konkreten Terrorgefahr bedrohten Engländer stimmten daraufhin folgenden Schlachtgesang an: »ISIS, where are you?«

Die Spiele der englischen Fußballnationalmannschaft in Marseille austragen zu lassen, ist aus sicherheitspolitischen Aspekten höchst problematisch.

Bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 hat es dort, im Umfeld des Spiels der Engländer gegen Tunesien, brutale Straßenschlachten gegeben. Während der damaligen Massenschlägerei mit über 40 Verletzten heizten englische Hooligans die Stimmung an, als sie Parolen wie: »Wir sind weiß, und wir sind stolz, es zu sein«skandierten. Daraufhin griffen auch Nordafrikaner aus Marseille in die Krawalle ein, die betrunkene Engländer mit Messern und Eisenstangen durch die Altstadt von Marseille jagten.

Während der Krawalle nutzten Gangs und Kriminelle die Unruhen aus, indem sie Schaufensterscheiben von Bars, Hotels, Geschäften und Wohnungen einwarfen und diese anschließend ausraubten.

Verbrechensmetropole Marseille gilt als muslimische Hauptstadt Europas

Dass das Chaos von Unruhen in Marseille zur Durchführung von Plünderungen ausgenutzt wurde, hat in Frankreich niemanden wirklich verwundert. Denn die zweitgrößte Stadt Frankreichs mit über 850 000 Einwohnern ist bei den Franzosen schlecht als »Verbrecherstadt« beleumdet.

Die Stadt am Mittelmeer, die allen Sicherheitsbehörden als Einfallstor zum europäischen Drogenmarkt gilt, ist wie keine andere durch Einwanderung aus Maghreb-Staaten wie Algerien und Marokko sowie aus Schwarzafrika geprägt.

Die Zuwanderung vornehmlich aus den ehemaligen Kolonien in Afrika hat zu einem Migrantenanteil von 40 bis 90 Prozent der Bevölkerung geführt, je nachdem, ob man frühere Einwanderungswellen berücksichtigt.

Über 40 Prozent der Einwohner von Marseille gelten als muslimisch, sodass in französischen Geheimdienstpapieren die Mittelmeermetropole als muslimische Hauptstadt von Europa bezeichnet wurde. Wie beinahe in allen europäischen Großstädten ist auch in Marseille zu beobachten, dass hier die Fundamentalisten auf dem Vormarsch sind.

Die Kriminellen aus den Problemstadtteilen haben sich zu mörderischen Gangs zusammengeschlossen, die sich auf offener Straße mit Kalaschnikows bekriegen. Allein 2012 waren die 30 Drogenbanden für 24 Morde verantwortlich, die meisten Opfer wurden mit einer AK 47 niedergemetzelt.

Das Sturmgewehr ist in Marseille so verbreitet, dass es problemlos in den Migrantenvierteln gekauft werden kann. Der Preis ist zuletzt auf 1000 Euro gefallen, Ausführungen von schlechterer Qualität sind auch schon für einige Hundert Euros zu erwerben. Bei den Kriminellen mit Kriegswaffen existiert sogar ein Kosename für das Sturmgewehr, »la Kalach«.

Wenn man sich bei dieser Gemengelage noch die kriminellen Lebensläufe der Pariser und Brüsseler Terroristen in Erinnerung bringt, wird einem bewusst, welches terroristisches Potenzial in Marseille entstanden ist. Wie konkret die Anschlagspläne auf englische Fans in Marseille sind, wurde erst am 31. Mai deutlich, als auf dem Laptop von Salah Abdeslam genaue Abläufe von Terror-Attacken gefunden wurden.

Demnach plante der Islamische Staat, englische Fans mit Kalaschnikows und Selbstmordattentätern anzugreifen.Selbst Pläne für einen Chemiewaffen-Anschlag mittels einer Drohne fanden französische Geheimdienste auf dem Laptop.

Sollte es wirklich zu einem verheerenden Anschlag des Islamischen Staates auf Engländer in Marseille kommen, drohte die Stadt vollends in Chaos und Unruhen zu versinken.

Denn es wäre nicht auszuschließen, dass sich dann Tausende angetrunkene Fans zu Racheaktionen hinreißen lassen und willkürlich Nordafrikaner angreifen und zum Randalieren in muslimische Stadtteile marschieren. Noch sind dies alles Spekulationen. Doch Marseille stehen, wie ganz Frankreich, vier unruhige und gefährliche Wochen bevor.



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