20 Juni 2016 0

Herausforderung für den Westen: Die „Neue Seidenstraße“ nimmt Gestalt an

Quelle: zuerst.de

Ein ehrgeiziges geostrategisches Investitionsvorhaben gewinnt Konturen. Das Projekt „Neue Seidenstraße“, mit dem Peking die wirtschaftliche Kohäsion des eurasischen Raumes vorantreiben will, ist jetzt sogar Gesprächsthema beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in China.

Foto: © Flickr/tipani

Auch für deutsche Unternehmen ist das Projekt interessant. Deutsche Investitionen in der Volksrepublik sind – bei weiterhin steigender Tendenz und dies vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen China und den USA – 2014 auf rund 60 Milliarden Euro angewachsen. Das ist mehr als in jedem anderen Land außer den USA und nur wenigen EU-Staaten. Deutsche Wirtschaftsvertreter machen sich denn auch für eine stärkere deutsche Beteiligung am chinesischen Billionenvorhaben „Neue Seidenstraße“ stark, das Ostasien und Europa enger aneinander binden soll.

Bei dem Projekt geht es insbesondere um den Ausbau des Land- und Seetransports. Der Zugverkehr von Chongqing nach Duisburg soll ebenso intensiviert werden wie der Seehandel durch das Südchinesische Meer und den Indischen Ozean bis ins Mittelmeer.

Das Projekt „Neue Seidenstraße“ ist offizielles chinesisches Regierungsprojekt. Ein Pekinger Weißbuch stellte es im März 2015 unter dem Titel „One Belt, One Road“ („Ein Gürtel, eine Straße“) detailliert vor. Kern des Projekts ist der Ausbau der Verkehrskorridore von China in Richtung Westen – einerseits über Land durch Zentralasien in den Mittleren Osten und nach Europa, andererseits auf dem Seeweg durch das Südchinesische Meer und den Indischen Ozean nach Afrika und durch den Suezkanal bis ins Mittelmeer.

Das Vorhaben umfaßt gewaltige Infrastrukturmaßnahmen, etwa die Errichtung von Straßen und Eisenbahnlinien sowie den Ausbau von Häfen. Zur Finanzierung soll unter anderem die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) beitragen, die zur Jahreswende 2015/16 in Peking eröffnet wurde.

Allerdings stößt die „Neue Seidenstraße“ nicht überall auf Gegenliebe. Transatlantische Kreise fürchten, daß die verstärkte wirtschaftliche und infrastrukturelle Verflechtung des eurasischen Raumes die Position des Westens schwächen könnte. So urteilte die renommierte Zeitschrift „Internationale Politik“ („Zeitschrift für internationale Beziehungen und globale Trends“) schon vor geraumer Zeit: „Chinas wirtschaftliche Macht und sein politisches Gewicht sind starke Argumente für Peking, seine Entwicklung nicht weiter von den Regeln der alten Industriestaaten abhängig zu machen. Stattdessen hat Peking den Anspruch, sich an der Gestaltung der Global-Governance-Strukturen stärker zu beteiligen.“ Das Projekt „Neue Seidenstraße“ sei für Peking ein Instrument, eigene Positionen zu stärken – um letztlich die globale Dominanz der westlichen Mächte in Frage zu stellen. 


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